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Travelpage Mein erstes Mal 24-Stundenlauf in Appeldoorn 2002
Was ist denn das?

Es gibt anscheinend genügend Mitmenschen, die durch das Mitlaufen bei einem Marathon oder Triathlon nicht mehr herausgefordert werden. Damit auch die wieder einen Sinn im Leben haben, wurde er erfunden: Der 24 Stundenlauf.

Dabei rennt man 24 Stunden lang eine 1,6 km lange Strecke durch einen Park. Die meisten scheinen bis auf kurze Pausen zum Essen wirklich durchzulaufen oder zumindest zu gehen, denn sonst würden sie ihre Kilometerleistung nicht schaffen. Die Besten schaffen bis zu 245 km, etwa ein 5- bis 6-facher Marathon.

Es gibt aber auch noch eine andere, weitaus menschlichere Disziplin bei dem 24-Stundenlauf: Die Staffel. Eine Mannschaft besteht aus bis zu 10 Läufern, die in beliebiger oder fester Reihenfolge laufen, je nach Disziplin. Rein rechnerisch kommt also jeder auf ca. 2 1/2 Stunden Laufzeit innerhalb von 24 Stunden.

 
Fotos unseres Teams

                    Fotos von unseren Betreuern.

Fotos von ÜWG 1.

Fotos von ÜWG 2.                    

 
Mein erstes Mal
Wenn ich schon die Beine eines 70 jährigen habe, dann zumindest das Outfit eines Triathleten.

Dieses Jahr habe ich mich von sogenannten "Freunden" bequatschen lassen in ihrer Staffel mitzulaufen. Sie laufen in der Mannschaft "Überlagerte Weggrößen", kurz ÜWG, einem völlig sinnfreien Namen. Die Veteranen aus dieser Gruppe haben dieses Team 1994 ins Leben gerufen. Mittlerweile sind es zwei Teams mit 20 Läufern geworden.

Die ersten beiden Runden waren eine Qual. Vor Nervosität hatte ich schon am Start einen Pulsschlag, als wäre ich gespurtet. Mein Körper versuchte mir klarzumachen, dass ich besser nach Hause fahren solle: Blasen an den Füßen von den Badelatschen und eine schmerzende Hüfte von der Zelt-Nacht. Aber während der dritten Runde hat mein Körper dann genügend Glückshormone freigesetzt, so dass ich an dem ganzen Quatsch sogar Spaß fand.

Am Wegrand zelteten die einzelnen Teams oder Zuschauer und feuerten ihre Läufer oder ihre Favoriten an. Sie bejubelten zwar meistens die anderen, vorwiegend die Einzelläufer, aber man kann sich ja ruhig angesprochen fühlen und sich in den Adrinalin-Himmel peitschen lassen. Viele Kinder am Rand verschenkten geplückte Blümchen, andere Kinder streckten einem die Hand entgegen, damit man sie abklatscht. Eine durchaus nette Geste, wenn sie ihre Hand im letzten Augenblick wegziehen oder vorher reingespuckt haben... Aber meine Hand war durch Schweiß eh viel nässer! Ätsch!



Meine besten Zeiten lief ich in den Runden, bei denen ich mit jemandem zusammen laufen konnte. Das zeigt, dass die grösste Hürde mental ist und sich die Knochen tatsächlich schneller bewegen könnten. Auf meiner letzten Runde begleitete mich Aloys, unser Haupt-Anpeitscher, für den meine Laufgeschwindigkeit die pure Entspannung war. Er zog mich auf eine lichtgeschwindigkeitsähnliche Geschwindigkeit, durch die ich bereits nach 8:18 Minuten im Ziel war, meiner schnellsten Runde. Im Vergleich zu der schnellsten Runde in unserem Team von 5:35 Minuten von Rolf noch immer ein Spaziergang...

Leider läuft man die meisten Runden sehr alleine. Ab und zu hörte ich hinter mir ein trappsen, dann machte es wuuusch neben mir und für ein paar Sekunden sah ich den Rücken der Turboläufer aus den anderen Teams. Mit ihren knallgelben Shirts und Teamnamen wie "Anthilopen" oder "Non Stop Ultra" zeigten sie mir, wo es langgeht. Da kommt man sich vor, als würde man stehen. Dass das nicht so war konnte ich merken, als ich manchmal selber auch zum Überholen ansetzen konnte. Die meisten, die sich von mir überholen ließen, waren Einzelläufer. Das steigert das Selbstbewußtsein nicht übermäßig, aber es reicht, um 1,6 km durchzuhalten. Dabei musste man gerade in den Nacht- und Morgenstunden beim Überholen fast Angst haben, dass man durch den Windhauch die Einzelläufer von der Bahn bläst. Den meisten konnte man den Spaß nicht ganz ansehen, den sie sicherlich tief im Innersten hatten. Sonst würden sie sich das ja wohl nicht antun. Ihr Laufstil war graziös wie bei Robotern und der Gesichtsausdruck bewegungsloser als der von Steinstatuen. Aber es gab auch Ausnahmen. Manche sahen aus, als würden sie mal eben zum Briefkasten joggen.

Der Haken an der Staffel ist, dass man immer wieder abkühlt und sich immer wieder hochrappeln muß. Vor allem nachts, wenn es dann auch noch regnet. Nach der Hälfte der Strecke waren die Muskeln zwar dann warm, aber dafür wurde ich müde. Sicherlich wäre es einfacher, wenn jeder eine Stunde laufen könnte und dann der nächste dran wäre, aber es soll ja nicht angenehm sein, sondern sportlich...

Nach unserer Strategie durfte nachts die eine Hälfte der Mannschaft für 3 1/2 Stunden schlafen. Das bedeutet jedoch für die anderen, dass sich ihre Pausenzeiten halbierten. Und das nachts, wenn man besonders viel Lust aufs Laufen hat.
Aber für eines hat sich das Ganze echt gelohnt: Es ist ein verdammt gutes Gefühl, wenn man es geschafft hat und den Schluss-Schuss hört. Ich habe durchgehalten! Ohne Blessuren und mit größtenteils guter Laune. Ich bin mit 20 Runden knapp 33 km gelaufen und habe meinen Teamkollegen durch meine ca. 2 Minuten längeren Laufzeiten als der Durchschnitt eine längere Pause beschert.

 
Warum tut man sich das an?

Diese Frage kann ich leider auch nicht beantworten...

Aber sie stellt sich oft, vor allem nachts.

 
Ergebnisse


Ein Ergebnis war auf jeden Fall, dass wir alle müde waren.

Es gibt Mitläufer im Team, die höhere Ziele haben als das bloße Überleben. Für diejenigen haben die Lauf-Organisatoren ein ganz besonderes Schmankerl eingebaut: Eine Hitliste mit den Rundenzahlen der einzelnen Gruppen. Damit war es nicht ein nettes Zelten mit etwas joggen zwischendurch, sondern ein Kampf. Unsere Gruppen dümpelten recht nah aneinander im Mittelfeld auf Platz 16-18 von 33 Teams. Besser als 15 andere Teams!

Ergebnisse der Einzelkämpfer.

Ergebnisse von ÜWG 1 als Tabelle und als Diagramm.

Ergebnisse von ÜWG 2 als Tabelle und als Diagramm.

 
Das nächste Mal
Und? Hast Du Appetit bekommen und möchtest auch Tag und Nacht im Kreis laufen? Dann such Dir weitere 9 Bekloppte und renn los! Das 24 Stundenrennen in Apeldoorn findet jedes Jahr statt, es startet am Freitag nach Himmelfahrt um 14:00 und geht bis... - na wann wohl.
 
Den Link zum Nachtreffen habe ich entfernt. Wenn der Link in der Mail nicht funktioniert, dann guckt bitte, dass im Browser die Adresse wirklich endet mit "/mitbringen", nicht zum Beispiel mit "/mit".


© by Frank Ahland, Monheim-Baumberg