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Abenteuer
stecken in den ganz alltäglichen Dingen. Die beiden letzten
Tage beinhalteten komprimiert all das, was typisch war für
die ganze Zeit: Kommunikationsprobleme, verkaufstüchtige Verkäufer
und Cyclofahrten, die da enden, wo der Cyclofahrer hinwollte. Deshalb
beschreibe ich sie sehr detailiert, denn sie machen den Reiz des
Exotischen aus. Es beginnt an unserem vorletzter Abend in Hue,
einer touristisch recht erschlossene Stadt in der Mitte Vietnams
und an unserem nördlichen Ende der Reise. Am nächsten
Tag werden wir zurückfliegen nach Saigon, um von dort am folgenden
Tag nach Hause zu fliegen.
Wir kommen aus dem Hotel um Abendessen zu gehen und schon ist der
bis dahin in seinem Cyclo dösende Cyclo-Fahrer auf der anderen Straßenseite
hellwach. "Hello, where do you go?" schreit er von der anderen Straßenseite.
Ein Anlächeln mit Kopfschütteln und Schütteln der Hand deutet er anscheinend
so, dass wir ihn nicht verstanden haben müssen, also kommt er auf
uns zugerannt mit der gleichen Frage. Die Antwort "Just walking around"
ist für ihn unbegreiflich. Wie kann nur jemand, der nicht völlig verarmt
ist, zu Fuß gehen wollen? Also bohrt er weiter. Wir wenden uns mit
einem "No, thank you" ab und gehen in eine Teestube zwei Häuser weiter.
Spezialitäten, aber nicht für
alle...
Im Travel-Guide sind diese Teestuben in dieser Stadt wegen ihrer
riesen Auswahl an verschiedenen Variationen Tee empfohlen. Wir sind
mal wieder die einzigen Tays (Nicht-Asiaten) und werden von den Vietnamesen
mit Getuschel und Lachen gemustert. Auf der englischen(!) Karte suchen
wir uns einen Cherry- und Orangentee aus und bekommen nach kurzer
Zeit zwei Tassen mit Teebeutel-Tee serviert. Toll...
Die Vietnamesen an den anderen Tischen haben alle ein Schälchen mit
Nüssen und neben den Tassen auch jeweils ein Glas mit Strohalm und
schaumigen Inhalt vor sich. Auf der Karte finden wir nur 20 verschiedene
Teesorten, aber nichts, was auf etwas anderes hindeutet als das wir
bestellt haben. Also zeigen wir auf den Nachbartisch, sagen "Glas,
same, same" (das heißt bei Vietnamesen und seltsamer Weise auch bei
Thailändern "das gleiche") und führen pantomimisch ein Glasheben und
Nüsseessen vor. Die Bedienung, die bereits am Anfang klargestellt
hatte, dass sie kein Wort Englisch kann, nickt, lacht und verschwindet.
Jedoch geschieht weiter nichts, zumindest nicht an unserem Tisch.
An den anderen Tischen wird weiter serviert, nur wir bekommen nix.
Also noch ein Versuch. Wieder nickt und lacht sie, diesmal jedoch
mit einem "Ahhh" und 20 Sekunden später haben wir ebenfalls Nüsse
auf dem Tisch, jedoch kein Glas mit irgendwas. Also noch mal: "Glas,
same same" mit entsprechender Pantomime und zeigen auf den Nachbartisch.
Sie verschwindet, kommt mit einem Glas mit Eiswürfeln zurück und guckt
uns fragend an - wir sie auch. Wir haben es fast geschafft...
Eventuell hätten wir eine Teesorte mitbestellen sollen, also zeigen
wir auf der Karte auf eine Sorte, die spannend klingt und unter der
wir uns nichts vorstellen können. Wieder verschwindet sie. Und wiederum
passiert nichts, außer, dass die Nachbartische mit Nachschub versorgt
werden. Nach einiger Zeit Warterei geben wir auf und zahlen.
Cyclofahrer überall
Beim Verlassen der Teestube aktiviert sich sofort wieder der Cyclo-Fahrer.
Da wir nach Möglichkeit nicht die Lautesten nehmen, ignorieren wir
ihn und gehen die Straße weiter. Nach 10 Sekunden ist ein weiterer
Cyclo-Fahrer zur Stelle. Wir möchten auf die andere Flussseite in
die Haupt-Einkaufsstraße zum Shoppen und Abendessen und zeigen ihm
die Stelle auf dem Stadtplan. Eventuell kann er nicht lesen, auf jeden
Fall sucht er Hilfe bei zwei in der Nähe stehenden Wasserverkäufern.
Mittlerweile ist auch der erste Cyclofahrer in dem Getummel dabei.
Nach kurzer Diskussion nickt der Fahrer und fordert 4$. Nach 3 Wochen
in Vietnam schätzen wir den realistischen Fahrpreis für zwei Personen
für 1km auf 5000 Dong (0,35 €), der Fahrer liegt mit dem zwölffachen
also knapp drüber. Diese Forderung finden wir frech und nicht verhandelbar,
machen dies mit einem entsprechend geschockten Gesichtsausdruck deutlich,
sagen dass wir 5000 Dong erwartet hätten und gehen. Anscheinend ist
dies die Art, mit der in dieser touristischen Stadt die Touris ein
Erfolgserlebnis haben, wenn sie den Fahrer auf 2$ runtergehandelt
hätten und trotzdem noch viel zu viel gezahlt hätten. Sofort kommt
der Fahrer hinterher "Ok, 3$".
Gehandelt wird hier bei allem, ausser bei der Post und bei der Bank.
Nur macht der "Sport" bei völlig überzogenen Preisen
keinen Spaß und bei unsympathischen Geschäftspartnern erst
recht nicht. Beides war hier erfüllt, also schalten wir auf "zickig"
und ignorieren ihn. "Sorry, Sorry, 10.000 Dong, ok?" Das ist zwar
schon realistischer, aber wir sind wie gesagt zickig und ignorieren
ihn. Ab da hatten wir einen Schatten... Wir konnten ihn nur abschütteln,
indem wir in einen Park gingen. Als wir eine Minuten später an einer
anderen Stelle wieder auf die Strasse kamen, waren wir nicht alleine...
Sein Angebot lag mit einer Miene tiefsten Bedauerns noch immer bei
10.000 Dong. Wir gucken ihn sauer an und sagen "no, not this way".
Dies hat er wohl verstanden und zog ab.
An
der nächsten Ecke kamen zwei neue und wersentlich sympathischere
Cyclofahrer auf uns zu mit denen wir für jeweils 5.000 Dong
zu unserem gewünschten Ziel fuhren. Der Komfort zweier Cyclos
ist die Investition von zusätzlichen 0,30 € schon wert.
Angekommen zahlen wir ihnen 7.000 Dong und alle sind zufrieden.
Der Versuch des Shoppings ist ernüchternd. Es gibt wie immer nur
jede Menge Getränke, Kekse und Krimskramsverkäufer. Das Schlendern
ist wie immer ein Spallierlauf durch die glotzende oder kichernde
Verkäufermenge. Einige springen auf und Messen ihre Größe gegen meine,
was höchste Belustigung bei ihren Kollegen hervorruft. Einige fragen
mich "hai metr?" (zwei Meter) und ich antwort mit einem lächelnden
"hai metr!", was entweder erstaunte oder lachende Gesichter auslöst,
entweder durch mein perfektes vietnamesisch oder der Tatsache der
zwei Meter. Auch die dauernde Frage bei Allesmögliche-Verkäufern nach
"Want buy something?" kann man nicht immer mit einem Lächeln
beantworten.
Bei
der Suche nach einem Abendessen stoßen wir nur auf die zahllosen
Nudelsuppen-Garstuben. Ein Stand sieht anders und interessant aus
und wir setzen uns hin. Jedoch wird hier ein Getränk aus verschiedenen
Töpfen zusammengemixt, die teilweise wie Dosenfrüchte,
teilweise wie Matsche aussehen.
Da wir Hunger und keinen Durst haben, verabschieden wir uns mit einem
Lächeln. Mittlerweile mit großem Hunger, kommen wir an eine Ansammlung
von Tischen mit vielen Vietnamesen und keinem einzigen Tay. Wir setzen
uns auf die üblichen Mini-Plastik Stühlchen, deren Konstrukteur sicher
nie mit einem Gast meines Kalibers gerechnet hat. Es folgt die übliche
Musterung durch die anwesenden Vietnamesen. Eine erstaunte ältere
Frau kommt auf uns zu und wir bestellen in bestem vietnamesisch "Hai
bia", zwei Bier. Diese kommen auch nach kurzer Zeit. Die Essensbestellung
wird schwieriger, da es keine Karte gibt. Also zeigen wir auf den
Nachbartisch, denen es anscheinend schmeckt, und sagen "Same, same".
Sie guckt uns verständnislos an und winkt uns in die "Küche", einem
Garwagen unter einem Dach mit Kühlschrank (!) dahinter.
Besonderheiten von Eis...
Kühlschränke
sind selten, meistens werden die Getränke warm und mit jede
Menge Eis serviert. Das Eis wird in riesigen Eisblöcken geliefert
und bei der Auslieferung hat es reichlich Straßenkontakt
und wird auf der Straße zerkleinert (zu sehen auf dem Foto
rechts). Immer, wenn mir ein Glas mit Eis hingestellt wurde (wenn
unsere Bestellung "Ohne Eis" nicht funktioniert hat oder
sich die Bedienung nicht vorstellen konnte, dass wir tatsächlich
etwas ohne Eis trinken wollen), also immer wenn ich ein Glas mit
Eis sah, kam mir das Bild des auf den Bürgersteig pinkelnden
Mädchens in den Kopf, gemeinsam mit dem Bild der über
den Bürgersteig geschobenen Eisblöcken... Die Toilette
scheint regelmäßig auf der Straße vorgenommen
zu werden, vor allem von den männlichen Vietnamesen an Mauern.
Deshalb der Tipp: Niemals auf den Boden setzen und schon gar nicht
an eine Mauer anlehnen... Deshalb bevorzugten wir Getränke
aus Kühlschränken oder genossen die Cola warm.
Bekanntschaften...
Wir stehen also in der Küche, ein freundlicher Vietnamese kommt auf
uns zu und fragt "Can I help you?". Wir freuen uns über die verständlichen
Worte und sagen ihm, dass wir etwas essen möchten. Er zeigt uns einen
Teller, auf dem etwas liegt, das wie Katzenfutter aussieht, das 10.000
Dong (0,75 €) kosten soll. Alternativ schlägt er uns Seafood für
30.000 Dong vor. Wir sind neugierig und bestellen das billige Essen.
Er kann nicht verstehen, dass wir das Seafood nicht bevorzugen. Um
ihn zu beruhigen sagen wir "Maybe later", das ist eine asiatische
Antwort für Nein, da es unhöflich ist "nein" zu sagen. Wir werden
an den Tisch des englisch sprechenden Vietnamesen gebeten, der dort
mit zwei Freunden saß. Nach ein paar netten Minuten mit Smalltalk
(woher, wohin, weshalb) und jede Menge zuprosten kommt das Essen.
Das Essen wird serviert mit trockenen Brotfladen (mit der Konsistenz
von Chips), Schälchen und Stäbchen dabei. Wir brechen uns etwas Brot
ab, legen etwas von dem Essen drauf und beißen zu. Damit war klar,
dass es kein Katzenfutter war, denn so scharfes Zeug frisst keine
Katze. Unsere Analyse ergibt, dass es sich wohl um Hackfleisch mit
jeder Menge Chili handeln muss. Anscheinend haben wir es nicht richtig
gegessen. Der Vietnamese schaufelt etwas von dem Essen in ein Schüsselchen,
gießt etwas Fischsauce drüber und nimmt einen Teil eines Brotfladens
und zerbröselt ihn in das Schälchen. Unweigerlich schießen dir die
Zeilen aus dem Travelbook in den Kopf, in denen über das fehlende
Hygienebewusstsein der Vietnamesen, insbesondere nach der Toilette,
geschrieben wird... Wir ließen es uns schmecken mit der Sicherheit,
dass bei der Chili-Ration keine Bakterie eine Überlebenschance hat.
Dabei verabschiedeten sich die Vietnamesen. Es war ca. 21:00 Uhr,
die Zeit für Vietnam zum Schlafen gehen, da der Tag meistens gegen
5:00 Uhr anfängt. Entsprechend aufregend war das Nachtleben in den
Städten, um 22:00 Uhr war alles geschlossen, außer ein paar Touri-Fallen in den sehr wenigen touristisch erschlossenen Städten.
Da wir bedauerten, daß sie schon gingen, verabschiedete sich
unser Berater mit den Worten, dass er in 5 Minuten wiederkäme...
Was
kam war zwar nicht er, sondern das Seafood. Roh auf einem (Porzellan!)-Teller.
Unsere Versuche klar zu machen, dass wir es nicht bestellt hatten
schlugen fehl, also freuten wir uns auf die Spezialität für
2,25 €. Zur unserer Beruhigung kam ein kleiner Tischgrill. Also
kein Sushi... Mit dem Seafood waren wir satt und hatten noch reichlich
vom Katzenfutter übrig. Ein Bettler schlich um die Tische,
ein alter Mann mit eingefallenem Gesicht. Davon gibt es recht viele,
denn Sozialistischer-Staat hat nichts zu tun mit Sozial-Staat.
Der Bettler kam auch an unseren Tisch. Wir gaben ihm 2.000 Dong
(0,15 €), die er sehr dankbar annahm. Im Buddismus ist es üblich
denjenigen zu geben, die es nötiger haben. Als er verschwunden
war, hatte Swantje die Idee, dass wir ihm von unserem Essen anbieten,
das eh übrig war. Sie lief hinterher, konnte ihn aber nicht
finden. Ein kleines Mädchen von ca. 6 Jahren hat dies wohl
verstanden, lief los und kam wenig später mit dem alten Mann
zurück. Wir baten ihn an den Tisch, ich holte ein neues Schüsselchen
und Stäbchen und wir boten ihm Essen an. Er mümmelte
an dem Katzenfutter. Als wir ihm das Brot anboten, zeigte es uns,
dass er nur noch einen Zahn hatte, trockenes Brot für ihn
also nicht die beste Mahlzeit war. Er mümmelte noch etwas
weiter und hörte dann auf. Die Lage wurde etwas peinlich...
da saßen wir, die in ihren Augen unermäßlich reich
waren, an einem Tisch mit einem alten Mann und der Chefin und dem
kleinen Mädchen, ohne jede Chance zu kommunizieren, außer
Pantomime und Lächeln. Der alte Mann stand auf, bedankte sich
vielmals und bekam nochmals 2000 Dong zugesteckt, worauf er sich
noch mehr bedankte. Er hatte tatsächlich ein Lächeln
auf dem Gesicht, das sicher bei ihm nicht oft vorkam. Den Rest
aß das Mädchen. Als sie fertig war und sich trollte,
sahen wir, dass sie eine der vielen Losverkäuferinnen war,
sich also auch ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten musste. Mit
dem Gefühl, mal wieder das Leben nicht verstanden zu haben,
verließen wir die Garstube.
Nach ein paar Metern trafen wir den französischen Weltenbummler auf
einem Fahrrad wieder, den wir ein paar Tage zuvor ca. 120 km südlich
in einem Tempel in "Hoi An" kennen gelernt haben. Wir gingen zusammen
in ein Cafe, tranken mixed Fruitshake, klönten, und gingen wieder
unserer Wege. In den drei Wochen haben wir Traveller aus ganz Europa,
Australien, Amerika und Kanada getroffen. Bei den wenigen Langnasen,
die man trifft, wächst Europa und die restliche Langnasen-Welt zusammen. Neuseeland kommt einem vor wie ein Nachbarstaat im Vergleich zu dem völlig exotischen Asien.
Am nächsten Morgen flogen wir zurück nach Saigon bzw. Ho Chi Minh-City.
Beim Wakeup-Call vom Hotel um 6:00 Uhr wurden wir zwar vergessen,
waren aber dennoch rechtzeitig wach, denn um diese Uhrzeit erwachen
nicht nur die Vietnamesen, sondern auch sämtliche Hähne,
Enten und Hunde. Im Airport-Shuttle-Bus lernten wir einen australischen
Arzt kennen, der austauschsweise in Hanoi im Krankenhaus für zwei
Wochen arbeitete und danach eine Woche travellte. Mit einem erfreulich
frischen Flieger und nur zwei Stunden Verspätung kamen wir in Saigon
gegen 12:00 Uhr an. Unser Plan war, dass wir mit einem Boot ins Mekong-Delta
fahren, einer Landschaft aus Palmen und Mangroven zwischen dem weit
verästeltem Mekong-Fluß und dort über Nacht bleiben. Am Flughafen
nutzten wir die Chance zum Einlösen von Traveller Checks, denn
sowas war selten. Geldautomaten sollte es angeblich in ganz Vietnam
drei Stück geben, wir haben aber keinen einzigen gefunden. Außerdem
mussten wir unsere Rückflüge bestätigen. Da telefonieren auf vietnamesisch
nicht unsere Stärke war, wollten wir es persönlich machen. Als wir
aus dem Flughafen rauskamen, fragte uns direkt jemand, in welches
Hotel wir wollten. Das Spiel kannten wir vom Hinflug. Ich antwortete
"Grand Hotel" und er bot mir an, dass er uns für 10$ ein Taxi besorgen
würde. Ich antwortete, dass wir ein Taxi mit Taximeter nehmen möchten.
Daraufhin ging sein Angebot auf 5$ runter, was angeblich viel billiger
wäre als das Taximeter.
Verkehrsgewusel mit nur einer Verkehrsregel: jeder hat Vorfahrt
Nachdem wir ihm und den darauffolgenden 10 Taxifahrern entkommen
waren, fanden wir das Büro von Malaysia Airways. Wir klopften
an und unterbrachen einen Vietnamesen beim Zeitung lesen. Er machte
den Anschein, dass er durch uns zum ersten mal an diesem Tag Abwechselung
hatte und war sehr hilfsbereit. Sein
Büro war auf Deutschland-Temperaturen runtergekühlt.
Die Kälte eines Büros scheint ein Statussymbol zu sein.
In den Banken liefen die Leute teilweise mit Pullovern und Schniefnase
rum. Wieder draußen ließen wir den ersten Taxifahrer,
der uns ansprach, gewinnen und stiegen in sein Taxi mit Taxameter.
Da nach unserem Travel-Guide alle Fähren bereits abgefahren
waren, blieb uns nur der Tipp, dass ab einer bestimmten Adresse
täglich Transportboote ins Mekong-Delta ablegen würden.
Die Taxifahrt dahin war wieder wie ein Film. Dieses Verkehrchaos,
von dem man durch Scheiben und Klimaanlage schalldicht und luftdicht
abgeschottet war, sah so unwirklich aus. Den Verkehrsfluss kann
man nur beschreiben mit "Kreuz und Quer". Die vielen
Zentimetern Knautschzone des Taxis erzeugten eine angenehme Gelassenheit,
denn die Armada aus Mopeds und Cyclos um uns herum, von denen ständig
mehrere in unmittelbarer Nähe auf direktem Kollisionskurs
waren, bedeuteten keine Gefahr. Im allerletzten Moment wichen sie
aus. Das Foto ist übrigens aus dem Seitenfenster fotografiert.
Im Gegensatz dazu steigerten die Fahrten in einem Cyclo den Adrenalinspiegel
auf Achterbahn Konzentrationen, bei denen man hoffnungslos den Mächten
der Straße und des Fahrers ausgeliefert und mittendrin im Geschehen
war. Der Kick war, wenn sein Cyclo auf eine Kreuzung zufuhr, die eigene
Ampel rot zeigte und man ungebremst einfach mitten in den dichten Querverkehr
aus Mopeds fuhr, wo kaum Platz für einen Fußgänger war. Cyclos haben keine Hupe, der Schlachtruf des Fahrers
war passender weise "Uiuiuiuiui...". Wenn die Lage absolut hoffnungslos
schien und man mit seinem Leben gerade abschloss, öffnete sich wie
von Geisterhand eine kleine Spalte im Verkehr, in die sein Cyclo gerade
so reinpasste. Es muss Magie sein, oder es lag daran, dass alle Fahrzeuge
recht langsam dahinflossen mit 20-30 km/h. Alle Fahrten verliefen
ohne Vollbremsung, ohne Kollision und ohne ruckartigen Lenkungen.
Gestrandet in Saigon...
Nun waren wir wieder mitten in Saigon, einer riesigen, lauten, versmokten
und chaotischen Stadt. Im Vergleich zu Bangkok, wo diese Attribute
auch zutreffen, schneidet sie wesentlich schlechter ab, da es keine
schönen Flecken gibt. In Bangkok gibt es einen wunderschönen Königspalast
und jede Menge Tempel und Buddas zu sehen. In Saigon gibt es nur Häuser
und Straßen. Die Tempel, die wir gesehen haben, waren nichts besonderes.
Die Bilder unten zeigen eine der wenigen "Sehenswürdigkeiten"
und das typische Stadtbild. Sehenswert war eigentlich nur das Museum
der Kriegsverbrechen, in dem per Fotos und Textes dokumentiert wurde,
wie die Amis und die Vietkong im Vietnamkrieg gewütet hatten. Dieses
Museum erhielt durch die bevorstehenden Angriffe der USA in Afghanistan
erschreckende Aktualität.
 
Der einzige Gedanke war, dass wir möglichst schnell hier raus und
ins schöne Mekong-Delta kommen. Wir kamen an der Adresse an, die im
Travel-Guide als Ausgangspunkt für die Transportboote angegeben war.
Wir sahen zwar nur eine Tankstelle, aber irgendwo wird schon etwas
sein. 63.000 Dong (4,50 €) standen auf dem Taximeter. Der Fahrer wollte
70.000 haben, er sagte irgendetwas von "Ticket". Wir zeigten ihm freundlich
den Aufkleber, das auf dem Armaturenbrett klebte "Zahlen Sie nur den
Betrag, der auf dem Taximeter erscheint". Damit akzeptierte er die
63.000 Dong und hatte sich sein Trinkgeld verspielt. Wir liefen etwas
umher und fanden einen Hinterhof, an dessen einer Seite mehrere Boote
festgemacht waren. Ein zugedröhnter Vietnamese kam auf uns zu. Richtig
gerade aus gucken konnte er zumindest nicht. Wir fragten nach der
Stadt, zu der wir wollten "My Tho". Er nickte und forderte 6$. Wir
lachten und sagten ihm, dass wir maximal 3$ zahlen würden. Bei der
Frage, wann das Boot fährt, nickte er. Bei der Frage "Today?" nickte
er. Nach der Frage "At what time" antworte er "morning", also wohl
morgen früh... Der Typ stand anscheinend unter einer Droge, die das
Zeitgefühl beeinträchtigte. Die Diskussion mit ihm war nicht besonders
lustig und wir machten uns aus dem Staub, denn 3 Wochen Vietnam haben
uns gelehrt, dass dort, wo etwas angeboten wird, es auch immer mindestens
10 andere gibt. Dies haben wir nie verstanden. Man kann ewig nach
Obst suchen und dann auf einmal 5 Stände nebeneinander finden. Nur
Getränkeverkäufer gibt es alle 3 Meter, die durch Rufe auf sich aufmerksam
machen. An Stellen, wo man keinen Stand aufbauen kann, z.B. an einem
Wasserfall mit Geröll, werden einem die Getränke gekühlt zum gleichen
Preis hinterhergeschleppt.
Laß uns mal eben ins Mekonkdelta fahren...
Wir gingen also aus dem Hinterhof auf die Straße. Sofort hielt ein
Moped mit der Frage "Where do you go?". Wir antworteten mit dem Namen
der Stadt "My Tho", darauf er: "No boat today, tomorrow! Can go by
bus!". Wir hatten es fast befürchtet. Damit trag Plan B in Kraft:
Versuch in der Traveler-Szene von Saigon eine Möglichkeit zu finden,
wie wir nach My Tho kamen. Sein Angebot, dass er uns und unser Gepäck
auf seinem Moped dorthin brachte war mit unserem Sicherheitsbewusstsein
nicht vereinbar, ebenso wenig auf zwei Mopeds, welches er bereits
rangerufen hatte. Wir sagten ihm, dass wir mit zwei Cyclo fahren wollten.
Nach dem fünften Mal, bei dem wir bereits 100m weitergelaufen waren,
akzeptierte er dies, brauste los und kam mit zwei Cyclofahrern wieder.
Wir fuhren in die Traveler-Szene, die wie in Bangkok aus Billig-Hotels,
Guesthäusern, Shops und jede Menge "Reisebüros" bestanden. Die Tourverkäufer
waren immer in Cafes integriert, so dass unser Mittagessen mit Fruitshake
und Fruitsalad gesichert war. Unsere Erkundigungen nach einer Chance,
noch heute mit dem Boot nach My Tho zu kommen, blieben erfolglos.
Mit der Befürchtung, bis zum Abflug in 27 Stunden in dieser Stadt
zu bleiben, schoss die Laune auf den Nullpunkt. Die einzige Chance
war, dass wir mit dem Local-Bus runterfuhren, morgen früh eine Bootstour
vor Ort selber organisierten und mit dem Local-Bus morgen Mittag zum
Flughafen fuhren. Eine Tourverkäuferin, die einsah, dass sie uns für
die nächsten 27 Stunden nichts mehr verkaufen konnte, erklärte uns, wo die Local-Busse
losfuhren. Ich rannte noch los, um eine Buchverkäuferin zu finden,
bei der ich für 11$ Copy-Books (das heißt wie Bücher gebundene Fotokopien)
der LonelyPlanet Reiseführer von Kambodscha und Laos und ein weiteres
Buch über Desaster-Stories von LonelyPlanet Autoren kaufte. Mit dem
Taxi ging es zum Local-Busbahnhof.
Der
Taxifahrer fragte nach dem richtigen Bus, hielt direkt davor und
wir und unser Gepäck wurden auf der Rückbank verstaut.
In der einen Ecke der Rückbank saß bereits ein etwas
verkrüppelter Vietnamese, der mit unseren Rucksäcken
völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Aus unbegreiflichen
Gründen durfte unser Gepäck im Bus und nicht auf dem
Dach mitfahren. Es gibt für Busse keine Fahrpläne. Sie
fahren dann los, wenn sie voll sind und sammeln dann während
der Fahrt noch weitere Leute vom Straßenrand auf. Dafür
macht der "Schaffner" lautstark Werbung. Er hängt
halb aus dem Bus heraus und fragt jeden potentiellen Mitfahrer,
also jeden der zu Fuß ging. Entsprechend waren wir in eine
Ecke gefaltet und nahmen mit unseren beiden Rucksäcken wohl
den Platz von 6 Vietnamesen ein. Zwischen 5 Verkäufern von
Brot, 3 Verkäufern von Kaugummi und einer Verkäuferin
von dubiosen Eiern kam auch der Schaffner. Wir hatten uns auf ein
hartes Feilschen vorbereitet und waren mit dem geforderten Preis
von 9.000 Dong (0,60 €) für die 70km sofort einverstanden.
Unsere Verhandlungsposition war eh nicht besonders gut, unsere
Beine und das Gepäck waren eingekeilt zwischen den Stangen
und Sitzen, bewegen konnten wir uns kaum, geschweige denn den Bus
zu verlassen. Nach einiger Zeit und dem Ablehnen von tausenden
Verkaufsangeboten von diversen Dingen brauste der Bus los. Durch
die Ritzen in den Holzplanken des Bodens sah man die Straße
vorbeiflitzen. Obwohl es keine Fahrpläne gibt, jagt der Bus
los, als wenn er 10 Stunden Verspätung aufholen müsste.
Gebremst wird für nichts und niemand, es sei denn, dass es
größer ist als ein Bus. Alles
andere wird weggehupt. Anscheinend wollen sie ankommen, bevor die
Vehikel komplett auseinander fallen. Auf einer Fahrt sieht man
reichlich Busse und LKW´s am Straßenrand, wo irgendwas
gefrickelt wird, meistens werden Räder ausgetauscht. Unser
Bus hielt nur einmal und der Schaffner nahm ein Holzscheit. Danach
hörten wir hämmernde Geräusche von unter uns und
schon ging die Fahrt weiter. Lesen war kaum möglich, da der
Fahrer auch auf guten Straßen genügend Schlaglöcher
findet, die dir, mit Höchstgeschwindigkeit durchfahren, das
Buch fast aus der Hand schlagen. Wir überholten einen Pickup,
in dem in einer Hängematte jemand lag und mehrere Leute um
ihn herumsaßen. Sagte der Travel-Guide nicht, dass es ein
Krankentransport und Notfallsystem nur innerhalb großer Städte
gab? Dann war dies wohl ein privat organisierter Krankentransport.
Von selbsternannten Reiseführern und Hotel-Auswahl-Consultants...
Angekommen in My Tho wurden wir von einer Meute von Cyclo- und Mopedfahrern
umzingelt. Wir zeigten den Namen des Hotels, in das wir wollten. Laut
Travel-Guide waren es 3km bis dort. Ihre Preisvorstellung lag bei
20.000 Dong pro Cyclo. Unser Angebot von 10.000 (0,75 €) Dong akzeptierten
sie sofort, was nur bedeuten konnte, dass es noch immer viel zu teuer
war und wir ihnen ein Vermögen angeboten hatten. Sie freuten sich wohl schon auf die Provision des Hotels.
Kaum losgefahren
wurden wir eskortiert von einem Moped. Er fing an mit Smalltalk, was
nur bedeuten konnte, dass er etwas verkaufen wollte. Er fragte in
sehr gutem Englisch nach unserem Hotel und sagte uns, dass er ein
schöneres für den gleichen Preis kenne. Das einzigst schönere ist
sicherlich die Provision, die dieses Hotel zahlt. Wir blieben bei
unserem Hotel. Außerdem bot er uns eine Bootsfahrt für den nächsten
morgen an. Wir hielten an einem Hotel und mussten feststellen, dass
es ein anderes als unser gewünschtes war. Nach ein wenig Diskussion
setzte sich unser Konvoi aus zwei Cyclos und einem Moped wieder in
Gang. Wir kamen an dem Hotel an, dessen Name wir gesagt hatten, und
standen vor einer Bruchbude. Da der äußere Anschein ja trügen kann,
wollte ich mir trotzdem ein Zimmer angucken. Es sollte 6$ kosten.
Mir wurde der Schlüssel in die Hand gedrückt und ich musste mir alleine
den Weg in die dritte Etage suchen durch ein Treppenhaus, das sicher
einsturzgefährdet war. Als ich das Vorhängeschloss öffnete und den
Raum betrat, konnte ich nur lachen, mir jedoch nicht vorstellen in
diesem Raum zu schlafen. An den Wänden war soviel Putz abgeblättert,
dass es fast schon wieder regelmäßig aussah. Immerhin hatten die Betten
weiße und anscheinend saubere Bettlaken. Bunte Bettlaken in manchen
Hotels verschleierten die Anzahl der Flecken und damit die Abschätzung,
wann das Bettlaken wohl zuletzt gewechselt wurde. Für diese Fälle
hatten wir unsere Schlafsäcke mit. Ich gab den Schlüssel dankend wieder
ab und wir fuhren zu dem ersten Hotel zurück, das mit 7$ zwar auch
renovierungsbedürftig, aber akzeptabel war.
Der Mopedfahrer wollte uns ja eigentlich seine Bootstour andrehen.
Wir gingen mit ihm zum Hafen, wo er uns sein Boot zeigte und uns
morgen für 16$ fünf Stunden durch die Gegend schippern
wollte. Im Travel-Guide stand etwas von 10$ für ein Boot,
unsere Handelsversuche landeten bei 15$, da er angeblich eine Versicherung
hätte. Soso... Wir sagte ihm, dass wir es uns überlegen
würden und ihm in 1-2 Stunden Bescheid geben würden.
Wir
wollten in der Zwischenzeit etwas Essen gehen und an unserem letzten
Abend noch ein Paar Souvenirs kaufen, wie Besen, Ingwer, Fischsauce
und Kekse. Also bummelten wir los. In einem Krimskrams-Geschäft
fragten wir nach Besen, die es dort aber nicht gab. Als wir auf
die Straße zurückkamen, empfing uns der Bootsmensch
mit der Frage, was wir denn suchen würden und wollte uns ein
Besen-Fachgeschäft zeigen. Wir sagten ihm, dass wir nur bummeln
wollen und in 1-2 Stunden ihn an seinem Boot wieder aufsuchen.
Wir bummelten weiter. Wir suchten nach zwei Restos, die im Travel-Guide
empfohlen wurde und die auch Bootstouren organisieren konnten.
Dies rief ein paar Minuten später unseren Bootsmann wieder
auf den Plan, der uns fragte, ob er uns ein Restaurant zeigen sollte.
Wir hatten einen Schatten, der anscheinend auch noch Gedanken lesen
konnte. Mit der gleichen Antwort wie eben gingen wir weiter. Beim
Bummeln kamen wir an einem Hotel vorbei mit dem gleichen Namen
wie das, wo wir eigentlich hin wollten. Diesmal aber keine Bruchbude,
sondern es sah OK aus. Wir sind also mal wieder auf die marktwirtschaftliche
Besonderheit von Vietnam reingefallen, dass in Reiseführern
als gut beschriebene Dinge es meistens mehr als einmal gibt...
Besonders lustig war dies in Nha Trang zu sehen, wo es zwei "Banana
Split Cafes" direkt nebeneinander gab (auf dem Foto zu sehen).
Jeder
behauptet, dass er das original ist. Da uns seltsamerweise kein
anderer Bootsfahrer angesprochen hatte und wir keine anderen Traveller
getroffen hatten, beschlossen wir, bei unserem neuen Freund zu
buchen, auch wenn er nervig war. Nach ein paar Metern stand unser
neuer Freund schon wieder neben uns. Swantje wurde über die
Observierung sauer und ging weiter, ich erklärte ihm, dass
es keine gute Idee wäre uns zu beschatten und wir jetzt wohl
nicht mehr bei ihm buchen würden. Er sagte uns bedröppelt,
in welcher Richtung Restaurants sind und düste davon. Wir
gingen weiter und wurden prompt angesprochen, ob wir eine Bootstour
suchen. Wir bejahten und wurden mitgeschleppt in ein kleines Cafe,
in dem seine gesamte Familie saß. Er zeigte uns bei ein paar
Tassen Tee Polaroidfotos von lachenden Europäern, die mit
ihm die Tour gemacht hatten. Er wollte 10$ für die 5 Stunden
und wir akzeptierten. Er war sehr sympathisch und konnte gut englisch.
Wir verabredeten uns für 7:00 Uhr morgens, da wir ja noch
bis Saigon mussten und nach Hause fliegen wollten.
Nun hatten wir ein Boot, es fehlte nur noch etwas zu Essen. Nach
einem langen Fußmarsch und der Hilfe von Cyclofahrern fanden wir etwas
außerhalb eine Garstube, die Fisch und Reis zu bieten hatte, nicht
nur Nudelsuppe. Als wir fertig waren, kam unser erster Bootsanbieter
schon wieder vorbei. Das konnte doch nicht wahr sein. Wir sagten ihm,
dass wir woanders gebucht haben, da uns diese Observierung ziemlich
genervt hatte. Stinkesauer zog er ab. Wir mümmelten gerade als Nachspeise
ein paar Bananen, da kam ein Kind vorbei und wollte Lose verkaufen.
Das passierte pro Tag ungefähr 20 mal, der andere Verkaufsschlager
waren Postkarten, im Zeitalter von eMails eine aussterbende Branche.
Wir schenkten ihm einen Stift, mit dem er fröhlich abzog. Jedoch um
eine Minute später mit 5 Kumpels aufzutauchen. Da wir keine 5 Stifte
hatten, versuchten wir sie mit Lächeln und Kopfschütteln los zu werden.
Wir zahlten und gingen, da wir unseren letzten Abend noch gemütlich
in einem Cafe beenden wollten. Die Kinder folgten uns. Wir setzten
uns in ein Cafe, bestellten etwas zu trinken und wurden nach einiger
Zeit tatsächlich alle Kinder los, bis auf einen ca. 5 jährigen, der
die ganze Zeit neben Swantje mit offener Hand stehen blieb. Was soll
man da bloß machen... Wir versuchten es mit ignorieren. Älteren Bettlern gaben wir ja gerne, denn sie haben es wohl nötig und bekommen auch von der Bevölkerung Spenden. Aber Kinder sollten nicht lernen, dass sie durch betteln mehr Geld verdienen könne als ihre Eltern durch Arbeiten.
Norwegen
und Vietnam haben etwas gemeinsam: Die Abendbeschäftigung
der Jugendlichen. In Norwegen fahren sie in manchen Städten
mit Autos, meistens Oldtimern, im Kreis herum, hier mit Mopeds.
Auf dem Foto versucht Swantje eine Straße zu überqueren. Duch den niemals unterbrochenen Strom aus Mopeds kann man nur langsam und kontinuierlich "durchwaten".
Darauf eingestellt sind die Cafes, die direkt an der Straße
angrenzen und die Stühle direkt auf die Strasse gerichtet
haben, wie Kinoreihen. Als wir um 21:30 die letzten Gäste
waren, machten wir uns auf den Heimweg. Angekommen im Hotel standen
4 Vietnamesen an der Rezeption. Nach ein bisschen Diskussion über
Körpergrößen, baten wir um einen Wake-up für
6:00 Uhr, das uns zugesichert wurde. Unser geplanter Tagesablauf
für den letzten Tag sah so aus:
7:00 Uhr Boottour
12:00 Uhr am Busbahnhof in My Tho
14:00 Uhr Ankunft Busbahnhof Saigon dort etwas Essen
15:00 Uhr Ankunft im Flughafen mit einem Taxi
16:30 Uhr Boarding für den Flug nach Kulua Lumpur.
Dies war eine sehr optimistische Planung für den Tag des Rückfluges...
Bootstour durch das Mekongdelta...
Der
Wake-up hat natürlich nicht funktioniert, aber wir waren eh
wach. Wir hatten schlecht geschlafen, da der Monsun die ganze Nacht
richtig gewütet hatte. Um 7:00 trafen wir uns mit dem Bootsmann
und seinem Bruder, für die 10$ hatten wir sogar einen Steuermann,
einen Unterhalter und ein Boot gemietet. Die Bootstour durch die
kleinen Kanäle des Mekongs war wunderschön. Der Vietnamese
hat uns viel in der Natur gezeigt und erklärt und sonst viele
Späße gemacht. Diesen perfekten Vormittag bezahlten
wir mit 15$, damit beide Seiten auch richtig zufrieden waren. Außerdem
schenkten wir unserem Steuermann für seinen Sohn noch die
restlichen Buntstifte, Schulhefte und Luftballons, worüber
er sich riesig freute. Mit Cyclo und Moped (es war zum ersten Mal
nur ein Cyclo aufzutreiben) kamen wir um 12:30 am Busbahnhof an
und kletterten in einen fast leeren Bus. Nur Verkäufer von
allerlei gab es reichlich. Langsam füllte sich der Bus und
wir fuhren um 13:15 los. Unser Zeitplan hinkte also ein wenig.
Als ich sah, wie mein Rucksack in eine Ecke gewuchtet wurde kam
mir in den Kopf, ob man wirklich die Flasche mit Fischsauce als
Souvenir kaufen musste und ob sie sich tatsächlich noch immer
geschützt mitten im Rucksack befindet. Als Nachbarn während
der Reise hatten wir zwei Hühner in einem Einkaufskorb zu
unseren Füßen. Um 15:00 Uhr kamen wir am Busbahnhof
im Armenviertel in Saigon an und der Bus hielt direkt neben dem
Parkplatz der ganzen Cyclos.
Entschuldigen Sie... wie kommen wir bitte zum Flughafen?
Kaum
hatten wir die Nase aus dem Bus gesteckt, waren wir schon wieder
umzingelt von Cyclo Fahrern. Wir sagten ihnen, dass wir ein Taxi
haben möchten zum Flughafen, darauf versuchten sie uns zu
überzeugen, dass ein Cyclo das gleiche wäre wie ein Taxi.
Die Augen zur Seite, um nicht in irgendeinem Cyclo zu landen, nach
oben, um nicht von Fahrrädern oder Kisten erschlagen zu werden,
die in Windeseile vom Busdach geladen wurden und nach unten, um
nicht über irgendwelche Säcke oder Kisten zu stolpern,
sammelten wir unseren Kram ein. Swantje bewachte unsere Rucksäcke
und ich ging auf die Jagd nach einem Taxi. Kaum war ich den Cyclofahrern
entkommen, stürmten lauter Mopedfahrer auf mich zu, die ebenfalls
keine Vorteile für 10 km mit vollem Gepäck in einem Taxi
sahen. Ich schaffte es bis auf die Straße. Dort war von einem
Taxi keine Spur. Ein netter Uniformierter, der für die Sicherheit
am Busbahnhof zuständig war, sprach mich mit guten Englisch
an, ob er mir helfen könne. Ich fragte nach einem Taxi und
er sagte mir, dass ich telefonisch ein Taxi rufen sollte, ein Telefon
gäbe es im Busbahnhof. Ich fand eine Telefonzelle und direkt
daneben einen schläfrigen Uniformierten in der Ecke sitzen
mit einem Telefon auf seinem Tisch. Ich bat ihn, ein Taxi zu rufen.
Er gaffte mich ohne Reaktion an. Ich schrieb das Wort "Taxi"
auf und lächelte ihn an. Das hat er verstanden, und schob
mir das Telefon zu. Da Telefonieren auf vietnamesisch durch Pantomime
und Wörteraufschreiben nicht lösbar ist, bat ich ihn
durch Zeigen, dass er anruft. Das tat er, plapperte ins Telefon
und verlangte 2.000 Dong (0,15 €). Ich gab ihm meinen letzten
1000 Dong Schein und die letzten beiden Kugelschreiber. Damit war
er zufrieden. Ich ging zurück zur Einfahrt in den Busbahnhof,
um auf das Taxi zu warten. Die Mopedfahrer witterten ihre zweite
Chance. Der nette Uniformierte kam auf mich zu. Ich erklärte
ihm, dass wahrscheinlich ein Taxi bestellt worden ist, wir diskutierten
ein bisschen über Körpergrößen, guckten zwei
Gänsen zu, die durch das Verkehrschaos liefen und wieder eingefangen
wurden und warteten.
Das Taxi kam, wir sammelten Swantje, die sich ebenfalls von allen
Cyclofahrern befreien konnte, und die Backpacks ein. Die letzte Taxifahrt
begann, diesmal mit einem Fahrer, der wie ein Anfänger fuhr. Bei jedem
Anhalten würgte er den Motor ab und wirkte in dem Verkehrsgetümmel
sehr mutlos. Mir kamen die Gedanken, ob man ihm ein ordentliches Trinkgeld
geben sollte unter der Voraussetzung, dass er sie in Fahrstunden investieren
sollte... In diesem Taxi stand neben dem Schild, dass man nur den
Taximeterpreis zahlen sollte auch ein Schild, dass der Fahrgast auch
alle Mautgebüren bezahlen solle. Hatte der letzte Taxifahrer evtl.
zu Recht 7.000 Dong gefordert? Mit insgesamt 26kg Gepäck sind wir
hingefahren, mit 37kg kamen wir zurück. Das Zusatzgewicht kam sicher
hauptsächlich aus mitgebrachtem Schmutz, aber auch ein paar Dinge
haben wir gefunden, die nett zum Einkaufen waren: Copy-Books von Lonely
Planet für die nächsten Ziele, maßgeschneiderte Sachen aus Hoi An
(5 Hemden, 1 Kleid, 2 Tops, Satin-Bettwäsche und Bademäntel) und Rucksäcke
(wahrscheinlich sogar Originale von Jack Wolfskin). Bei der Suche
nach einem Organizer von Palm haben wir maximal einfachste Taschenrechner
gefunden.
Nach einer halben Stunde Anstehen war die sozialistische Ordnung
durch mehrere Stempel, Unterschriften und Kreuzchen wieder hergestellt
und unsere Ausreise war amtlich möglich. Bei der Zwischenlandung in
Kuala Lumpur (Malaysien) führte die Ansage bei der Landung, dass die
Einfuhr von Rauschgift automatisch die Todesstrafe nach sich zieht,
eventuell bei einigen Panik aus.
Verkehrsregeln...
Da wir genügend Zeit zum Warten hatten, schrieben wir mal die Verkehrsregeln
auf, die wir aus Beobachtungen abgeleitet haben:
- Es wird empfohlen rechts zu fahren
- Fahrräder weichen für alles, was größer ist als sie, automatisch
in Pfützen und Randstreifen aus. Auch wenn der Gegenverkehr auf
ihrer Spur eigentlich nichts zu suchen hat.
- Kinder dürfen nur zwischen 8 bis 23 Uhr auf der Straße spielen
- Fahrräder haben generell kein Licht, damit sie den Gegenverkehr
nicht blenden
- Maximal 3 Fahrräder dürfen nebeneinander fahren, insbesondere
nachts auf unbeleuchteten Straßen.
- Niemals umgucken, sondern starr gerade aus, da sonst Angstzustände
vom Fahren ablenken könnte.
- Bei Mopeds ist Kopfbedeckungsplicht, wahlweise durch Motorradhelm,
Bauhelm oder Baseballkappe, wobei die Baseballkappe vorzuziehen
ist.
Die schönsten Erinnerungen...
Den Flug-Schlaf konnten wir mit Erinnerungen an die schönsten Momente
versüßen: Obstsalat oder Fruitshake genießen, Wasserbüffel beim Baden
zusehen, Bootstour durch das Mekong Delta, Sitzen im hölzernen Meditations-Pavilion
im Grabmahl des Königs Tu Duc mit Blick auf einen See, Tauchtour mit
den Rainbow Divers in Nha Trang, mit dem Moped durch die Gegend düsen,
Barcadi-Strand von Mui Ne, Raubtierfütterung von 20 Kindern mit Butterkeksen,
Lächeln aus Kilometer tiefen dunklen Augen. Und uns wieder auf die wieder neu geschätzten Errungenschaften in Deutschland freuen: Preisschilder,
Fahrpläne und Salat. Die schönsten Orte sind in unserem
Reisebericht
beschrieben.
Die Probleme beim Traveln in Vietnam...
Das waren unsere letzten 44 Stunden in Vietnam. So wie diese Tage
sind alle Tage abgelaufen, Abenteuer steckten also schon in den alltäglichsten
Dingen. Neben den schönen Erlebnissen zeigen sie aber auch die Probleme,
die man in diesem Land hat:
1) Alle wollen Dir irgendetwas verkaufen. Alles, was ebenerdig ist,
ist ein Geschäft. Also wird man alle paar Meter gefragt, ob man etwas
kaufen möchte, in den Shop kommen möchte, oder mit "Hello" oder
"Excuse me" auf sich aufmerksam gemacht. Nähert man sich etwas der Straße,
bieten alle paar Minuten Cyclo- und Mopedfahrer ihre Hilfe an. Sitzt
man irgendwo, kommen Bauchladen oder Postkartenverkäufer vorbei. Dabei
ist die Verkaufstechnik meistens sehr hartnäckig und erst ein drittes
"no, thank you" oder "khong, camon" wird akzeptiert. Verständnis müssen
wir dafür haben, denn schließlich sehen sie in uns superreichen die
Chance auf ein paar verdiente Dongs. Das Verkaufsangebot beschränkt
sich jedoch immer auf die gleichen Dinge. Man kann nun mal nicht alle
paar Meter Wasser kaufen, deshalb geht es etwas auf die Nerven. Men
sehnt sich oft nach einem ruhigen und schönen Platz, an dem man einfach
ungestört rumliegen kann. In Nha Trang gab es kostenlose privat Strände
mit angeschlossener Bar, an denen Verkäufer verjagt wurden.
2) Sprachprobleme Die wenigsten Vietnamesen sprechen ein verständliches
Englisch. Auch wenn es manchmal für das Nötigste reicht, Gespräche
um mehr über die Menschen, ihr Leben und ihre Kultur zu Erfahren bleiben
auf der Strecke. Viele beherrschen ein "Hello" und "What is your name".
Allerdings verstehen sie meistens schon die Antwort nicht mehr. Vietnamesisch
ist für uns ein Buch mit sieben Siegeln, da die Aussprache uns unbekannte
Laute beinhaltet und falsche Aussprache eine komplett andere Bedeutung
bekommen kann.
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